Obwohl kaum trainiert und nur unregelmäßig zum Spaß gelaufen, habe ich im November 2004 einen Halbmarathon hinter mich gebracht.

Angesport sollte es dann auch mal ein Marathon sein.
Im Mai 2005 war es soweit.

Anstatt aufzuhören, will ich jetzt besser werden...


Ziel
Marathon laufen in unter vier Stunden

Warum
Warum nicht?

Geschafft
Berlin, 30. September 2007

 





Der Weg - rückwärts betrachtet...

September 2007
Marathon Berlin - 3:57:47
Das war großartig!
Start in auf der Straße des 17. Juni kurz vor der Siegessäule. Einer von 40.000 Läufern bin ich. Um ins richtige Tempo zu kommen, folge ich die ersten KM dem Pace-Maker, der den 4h-Ballon trägt. Denn diesmal - im 4. Anlauf - soll es endlich klappen: Die 4h-Mauer soll fallen. Schon zu Beginn fällt mir das hohe Tempo des Pacemakers auf. Statt 5.40min pro KM läuft er eher 5.30min. Als ich ihn an der ersten Verpflegung nach 5 KM verliere, halte ich dennoch das hohe Tempo und habe recht bald einen guten Vorsprung auf meine Soll-Zeit herausgelaufen, die ich am selbsterstellten Zeit-Bändchen um mein Handgelenk trage. Halbarathon mit 2min Vorsprung erreicht. Ich rechne pro forma schonmal, wie viel ich ab jetzt verlieren darf... Bis KM 30 läuft alles gut. Doch dann beginnt der Teil, der nie im Training auf dem Plan steht: Die letzten 12 KM...
KM 32: Der Kopf tut weh.
KM 33: Jetzt merke ich die Beine überdeutlich.
KM 34: Bei einer Trinkstation trinke ich ein Elektrolyt-Getänk und dann: Magenkrämpfe! Das kann doch nicht sein! Ich laufe nicht umsonst 34 KM gut, um dann aufzugeben. Ich will keine Krämpfe haben - und sie hören auf...
Ab jetzt beginnt der Kampf. Komme ich noch unter 4h ins Ziel? Und vor allem: Will ich das überhaupt noch? Alle paar Meter fallen mir Argumente ein, warum ich langsamer sein dürfte - aber ich will, will, will weiter! Und ich lag doch gut in der Zeit. Bei jedem KM vergleiche ich drei Dinge:
1. Bin ich im Schnitt noch schneller als die 5.40min, die ich brauche?
2. Schmilzt mein herausgelaufener 2Min-Vorsprung. Wieviel dürfte ich ab sofort pro KM an Zeit verlieren, um punktgenau ins Ziel zukommen.
3. (und am wichtigsten:) Die Restzeit bis 4h geteilt durch die Rest-KM: Welche Pace muß ich laufen?
Zwar sind bis KM38, 39 alle Antworten objektiv gut - aber dennoch glaube ich noch nicht dran, daß ich es schaffe, denn es tut weh in den Beinen!
KM 40: ich habe noch 14 Minuten - das ist schon fast lächerlich viel Zeit.
KM 41: Noch über 8 Minuten - ich biege auf die Allee unter den Linden ein; warum sehe ich das Brandenburger Tor nicht? Panik! Endlich, da ist es - aber weit weg. Und es kommt nicht näher - ganz im Gegenteil: Wie in Stein gemeißelt steht es da. Immernoch glaube ich nicht daran, daß es klappt. Erst 200 Meter vorm Tor - ich sehe dahinter das Ziel bereits - kommt aus den Musikboxen hymnenartige Musik (aus dem Film "Fire&Ice") - weitere Motivation! Jetzt glaube ich dran: Arme ausbreiten, die Welt umarmen wollen. Ab jetzt eher tanzend als laufend. Vorbei an den Tribünen im Zielbereich - wieder im Endsprint. Die Zeit hält an bei 3.57.47h!
Schmerz vergeht - Stolz bleibt!

Mai 2007
Marathon Düsseldorf (Staffel) - 3:38:33
So kann sich das also anfühlen. Der erste Marathon unter 4h... Na gut, wir sind die Staffel gelaufen. Vier Leute teilen sich die Gesamtdistanz. Da kann das eh machbar sein, vor allem, wenn man Burkhard im Team hat - ein weißer Kenianer, dessen Marathon-Einzel-Bestzeit schon bei gut 3h liegen.
Als zweiter starte ich - übernehme das Staffelband von Emilie - und versuche meine gut 10km schnell durchzulaufen. Kurz vor meiner Übergabe laufe ich noch fast in die falsche Richtung und verpasse nahezu die Staffelzone. Scharfer Linksknick und schon kann ich Katrin das Band übergeben. Die begleite ich noch ein paar KM, um mich dann aus dem Rennen zu verabschieden. Dachte ich. Ich warte an der Kö auf Katrin, um auch die letzten KM mit ihr zur Unterstützung zu laufen. Gemeinsam mit Emilie bringen wir sie gut in den Staffelwechselbereich. Fertig für mich. Dachte ich. Zu dritt warten wir auf Oberkassler Brücke auf Burkhard. Plötzlich bleibt Doro aus meiner Laufgruppe neben mir stehen. Sie läuft den Einzelwettbewerb und kann nicht mehr - dabei ist sie eine hervorragende Läuferin (noch nie über 4h gelaufen). Motivierend rede ich auf sie ein "Du schaffst das!". Von gegenüber eine Passantin "Dann lauf doch mit ihr!". OK - und so begleite ich Doro bis ins Ziel. Fertig. Endgültig!

November 2006
Martinslauf - Halbmarathon - 2:00:45
Nach dem Marathon und einem anschließenden Australien-Urlaub war dieser Martinslauf eigentlich der erste Lauf seit über 4 Wochen. Nur gemütlich - natürlich wieder mit Aida, die mittlerweile in England lebt - durch den Hasseler Forst gelaufen. Gegen Ende hat Aida in ihrer Art noch langsam langsamer werdende Läufer motiviert sich uns anzuschließen. Wie der Rattenfänger von Hameln lief uns eine immer größer werdende Gruppe Läufer hinterher. Teilweise hat sich die Gruppe auch schnell wieder reduziert. Immerhin eine Läuferin konten wir so ca. 1 km vors Ziel ziehen. Aida und micht packte dann noch der 2h-Ehrgeiz, was aber nicht mehr ganz geklappt hat...

Oktober 2006
Marathon Köln - 4:16:59
Training, Training, Training! 12 Wochen intensive Vorbereitung - aus verschiedenen Quellen eine Trainingsplan zusammengeschrieben und akribisch dran gehalten. Wöchtenliche Kilometerleistung von 55-60 km. Hatte ja noch den "Battle" mit meinem ehemaligen Chef - der immerwieder auf seine "Grundlagenausdauer" verwies. Letzlich wollte er nur "nicht mehr als 40 Minuten" auf mich verlieren... (OK, es war sein erster Marathon)
Dann endlich 8. Oktober. Später Start nach 12.00h - schöner Sonnenschein, angenehme, fast zu warme 20 Grad. Und in Köln stehen Menschen, Menschen, Menschen am Streckenrand... Über 14.000 Läufer und 800.000 Zuschauer - man ist nirgends alleine.
An meinem Armbändchen habe ich die Kilometer-Zeiten für eine Zielzeit von 4.20h notiert. Nach 10km fehlen bereits über 2min - OK, jetzt schnell machen. Geschwindigkeit leicht erhöhen. Irgendwo nach 20km leichtes Oberschenkel-Zucken, von dem ich befürchte, daß es schlimmer werden könnte - wurde es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Auf meinem Zeitbändchen hatte ich ab KM30 einen Zeit-Einbruch berücksichtigt. Ab jetzt durfte jeder KM dreißig Sekunden länger dauern - da der Einbruch aber ausblieb, lief ich plötzlich entgegen meiner Vermutung wieder gut im Plan für die Wunsch-Zielzeit von 4.20h. Am Streckenrand Marie, Kristin, Julia (Danke für die Apfelstücken) und immer wieder Kathrin, Burkhard und Emilie gesehen (Danke, danke!). Ab KM35 war ich schon über eine Minute unter meiner Wunsch-Zielzeit - und der angedachte Puffer wurde immer noch nicht gebraucht. Endspurt über die Brücke, Endspurt ins Ziel: 4.16.59h - 3 Minuten schneller als erhofft...
Nur wo war Florian... - Als ich schon auf dem Weg nach Hause war, kam er mir entgegen und freute sich auf seine Dusche - unser "Battle" hat er dann immerhin gewonnen. Mit 4.39h war er "nur" 23 Minuten langsamer als ich...
Beim nächsten Marathon gibts keine Zeitpolster und keine Gnade sondern nur noch den Kampf Mann gegen Mann gegen die Uhr!

September 2006
Kö-Lauf - 10 KM - 0:49:03
Im Rahmen des Marathon-Trainings steht an diesem Wochenende ein 10KM-Wettkampf an, um Geschwindigkeit zu kontrollieren. Nehme mir 4:45min als KM-Pace vor, merke aber schnell, daß trotz Tempo-Einheiten im Training das heute nicht sein soll. 5 Runden über die Kö in Düsseldorf. Nach drei Runden macht es schon keinen Spaß mehr - muß mich ziemlich sputen, um wenigstens unter 50min zu bleiben. Wäre auch peinlich wenn nicht: Der Kö-Lauf wird in verschiedenen "Ziel-Zeit-Klassen" gestartet und ich hatte mich für die Klasse "40-50 Minuten" angemeldet. Da will man dann doch nicht langsamer sein... Wenigstens der Kaffee bei Starbucks war so, wie ich es mir vorgestellt habe...

Mai 2006
Marathon Düsseldorf - 4:39:58
Wieder Düsseldorf, wieder Marathon. Wieder mit Aida trainiert. Unter klassicher Musik-Beschallung ziehen wir los. Haben 28KM viel Spaß, tanzen mit den Zuschauern. Beim ersten Massagezelt mache ich Halt (war letztes Jahr so schön!) - Aida läuft weiter, ich breche ein. Am Wegesrand bekannte Gesichter, die Mut machen (Danke, Katrin, Katharina, Kathleen, Burkhard, Kathrin, Lars). Aida in unglaublicher Zeit im Ziel. Ich verfehle mein Ziel weit und laufe nur unwesentlich schneller als letztes Jahr. Endspurt garantiert noch die Zeit unter 4:40h. Völlig fertig auf dem Burgplatz im Café bei Kuchen, Schorle und Bier schwinden die Lebensgeister. Das war heute nix!

November 2005
Martinslauf - Halbmarathon - 1:52:37
Ziel des Halbmarathon-Seminars. Ein Jahr nach meinem ersten Wettkampf wieder im Wald von Hassels am Start. Mit Aida 17KM streng nach Uhr gelaufen - dann soll ich alleine weiter. Zeitziel war 1:55:00. Nehme die Beine in die Hand und komme (in neuer Bestzeit) ins Ziel.

Oktober 2005
Ostparklauf - 10 KM - 0:48:12
Absolviere mit Aida ein Halbmarathon-Seminar. Gezielte Trainings unter Anleitung, 3 mal die Woche. Ostparklauf als Tempoeinheit - hier muß Geschwindigkeit gebolzt werden. Zeit-Ziel (5 Min/KM) locker durchgelaufen - neue persönliche Bestzeit!

Juni 2005
Brückenlauf - 10 KM - 0:51:00
Starte mit Alexis, der unter 45 Minuten laufen will. Halte 2 KM mit, dann zieht er weg. Zweimal ist der Schuh offen, weshalb keine neue Bestzeit herausspringt. Man hätte mir sagen können, daß Laufschuhe mit Doppelknoten gebunden werden müssen...

Juni 2005
Jüchtlauf - 10 KM - 0:53:34
Mit der Gewissheit, einen Marathon gelaufen zu sein, neue (Zeit)Ziele gesteckt. Heißes Wetter, keine Chance auf Bestzeiten. Schon wieder ein (mitlaufender) Rentner, der mir mutmachend zuruft: "Wenn ich das schaffe, schaffst du das auch..." Recht hat er.

Mai 2005
Marathon Düsseldorf - 4:44:43
Regen, Hagel, Temparatur unter 10 Grad. Sch...-Wetter! Loslaufen und Durchkommen! Bei KM28 zum ersten Mal über die Brücke. "Gehpausen" werden eingestreut. Verstecke mich bei Hagel-Einsatz auf einem Dixie-Klo (KM33). Laufen neben der Straßenbahn her - spiele mit dem Gedanken einzusteigen (KM35). Die Erlösung und Rechtfertigung für einen Marathon-Lauf: Ein Massagezelt auf der Strecke. Zwei junge Studentinnen fragen "Ober- oder Unterschenkel?". Ich bin im Himmel! Laufe weiter, was nach der Massage sogar schnell geht. Endspurt (warum auch immer). Ziel erreicht. Marathon geschafft. Steffen geschafft. Eine Woche glücklich!

April 2005
Volksgartenlauf - 10 KM - 0:49:14
In Vorbereitung auf den Marathon. Mache Tempo, als ich merke, daß es unter 50 Min. klappen könnte. Schock beim Stadioneinlauf: Es ist noch eine Runde und ich kann nicht mehr. Dennoch geschafft... unter 50 Minuten!

November 2004
Martinslauf - Halbmarathon - 2:12:22
Erster langer Lauf über diese Distanz. Werde kurz vor dem Ziel von zwei Rentern überholt (siehe Bild). Wehre mich verbal, daß ich das "nicht zulassen kann". Sie ziehen das Tempo an und an mir vorbei. Geschlagen von 70jährigen... Hauptsache die Distanz gemeistert. Geschafft und glücklich. Ich will mehr.



Nächste Schritte

Ironman 70.3 in Wiesbaden (August 2008)
Neue Ziele!